Wenn die Welt still steht

Blogeintrag vom 07.04.2021

„Gekämpft, gehofft und doch verloren. Nun ruhe sanft, du gutes Herz. Dich leiden sehen und nicht helfen können war unser allergrößter Schmerz.“

Der kleine Scott

Manchmal gibt es Tage die man nicht in Worte fassen kann. Momente des Glücks & der Freude auf denen plötzlich Leid, Qual und Elend folgt.

Als ich am Montagabend von meinem Freund zurück nach Hause fuhr, der Schnee Rosa – Gold in der Abendsonne glitzerte und die Küken in ihrem Karton piepsten, da wusste ich noch nicht, was mich an diesem Abend erwarten sollte. Alles begann sorglos. Der Kükenstall war hergerichtet, die Heizplatte warm und die Küken nahmen ihr neues Zuhause schnell in Beschlag. Auf der heimischen Baustelle gab es noch Arbeit, welcher ich mich sogleich widmete. Als ich etwa 2h später in den Stall kam der Schock: Eins der dunklen, wildfarbenen Seidenküken lag schwach und platt unter der Platte.

Ich nahm es schnell in den Arm – es war kalt. Vater hatte eben ein Feuer in der „Assi-Tonne“ entfacht. Die Hitze der Flammen umspielte meine Nase. Eigentlich war es mir viel zu warm, doch dem kleinen Seidenkind tat die Wärme gut. Ich hielt es an währenddessen an meine Brust. Mein Herzschlag schien es zu beruhigen. Ich begann ein Lied zu summen und stieß ein lautloses Gebet in die Nacht. „Rettet dieses arme Wesen!“

Das Küken wurde langsam wieder agiler und begann leise zu piepsen. Wir gingen in die Garage und ich stand wie immer vor dem warmen Werkstattofen. Vater hatte extra noch einmal eingeheizt. Ich streichelte das Küken. „Du schaffst das mein Schatz“

Im Hintergrund lief Accept. Wir tranken zusammen ein Bier, redeten, hörten Musik und der kleine Schatz wurde immer agiler und piepste laut. „Wenn das durch kommt wird es unser Stammtischhuhn“, meinte Vater. „Schaut auch bissl aus wie aus einer Metalband“ Ich musste lachen und wir tauften den kleinen Piepser auf „Scott Columbus“, nach einem verstorbenen Schlagzeuger unserer Lieblingsband Manowar.

Gegen 23:30 Uhr entschloss ich mich Scott mit zu mir in die Übergangswohnung zu nehmen.

Tief in meinen Pulli, unter der Brust eingekuschelt ging es los. In der Wohnung angekommen gab es erst einmal etwas zu trinken und Futter. Alles war perfekt, er aß und trank auf dem Küchentisch, meinen Arm als Barrikade liegend. Plötzlich riss er den Kopf hoch, sprang nach hinten, kugelte über meinen Arm und fiel vom Tisch. Alles geschah so schnell…ich konnte nicht reagieren. Bei Sturz brach sein Genick und der Flauscheball starb in meiner Hand. 

Ich heulte unentwegt und ärgerte mich über mich selbst und die Gemeinheit, dass gerade wo alles gut gewesen war diese Sch**** passieren musste. Um 00:45 Uhr ging ich ins Bett, doch konnte nicht schlafen…

Auch der darauffolgende Tag war nicht besser.

Die Drei Seidis mit ihrem Kirschkernkissen

Ich kam von der Arbeit und musste schnell die Küken holen um zum Impftermin zu fahren. Hierbei fand ich leider drei weitere tote und drei sehr schwache Seidenküken vor. Es war einfach nur zum Heulen, doch ich hatte keine Zeit und packte alle Küken schnell in den warmen Karton.

Eine lange Schlange hatte sich bereits gebildet und ich war froh, die Flauschekinder im warmen Auto gelassen zu haben.

Nach etwa 1 1/2h konnte ich die Bande dann zum Impfen holen und die drei Küken gleich vom Tierarzt begutachten lassen. „Mädel ich mach dir nicht viel Hoffnung das die Drei den Tag überstehen…“ meinte er. Aber das werden Sie doch, sagte ich mir. 

Zuhause angekommen wollte ich die Seidis von den Großen trennen. Ich vermutete, dass die größeren Küken die kleinen Seidis an den Rand der Heizplatte geschoben haben und diese dann nicht mehr genug Wärme abbekamen. Soetwas war mir bisher noch nie mit Seidis und anderen Hühner passiert! Zu allem Übel kam nun noch hinzu, dass unsere Ersatz-Rotlichtlampe nach fünf Minuten den Geist aufgegeben hatte. Meine neuen Heizplatten waren leider noch nicht geliefert wurden (abends kam die Mail dass sich der Versand auf den 10.-13.04.21 verlängert) Ich zückte geistesgegenwärtig mein Handy und rief Nadine (@gansgruener_huehner) an. Gott sei Dank konnte ich bei Nadine eine Wärmeplatte ausborgen und eilte geschwind zu ihr. Vater hatte bereits einen geeigneten Platz vorbereitet. Wir klemmten die schon vorgeheizte Platte bei den größeren Küken ab, da diese besser mit weniger Wärme zurechtkamen, und tauschten die Heizplatten aus. 

Einige Stunden später, ich wollte eben zur Übergangswohnung aufbrechen, sah ich nochmal nach den Seidis und erschrak. Sie sahen immer noch fürchterlich aus! Schnell waren alle in meinen Pulli gewickelt, das Auto erwärmt und zur Wohnung gefahren.

Während ich mein Kirschkernkissen erwärmte, saßen die Küken im warmen Backofen.

Ich stand nun alle zwei Stunden in der Nacht auf um das Kirschkernkissen erneut zu erwärmen. Frühs wurde ich dann mit freudigen Gepiepse von zwei wildfarbenen Seidenküken geweckt. Das helle Küken sah noch immer sehr schlecht aus und ich war mir nicht mehr sicher, ob es den Tag überleben würde…

Alle drei Küken begleiteten mich heute ins Büro. Zum Glück habe ich einen tollen, tierlieben Vorgesetzten und herzliche Arbeitskollegen.

Das helle Seidi hat es wie erwartet nicht überlebt und schlief gegen Mittag in meinen Armen ein. So schade! Zwischendurch dachte ich, es hätte sich gefangen. 

Den anderen beiden geht es zum Glück sehr gut und sie fressen, trinken und vor allem piepsen kräftig. Nach der Arbeit werden sie von meinem Freund abgeholt, er hat wetterbedingt frei und viel Zeit für unseren Nachwuchs. (Traumkerl!!! <3)

Die zwei überlebenden Küken

Ich bin sehr zuversichtlich, dass die beiden letzten der eint 8 geschlüpften Seidenküken überleben werden. 

#RIP ihr wundervollen Seidenkinder, kommt gut über die 🌈Brücke

Endlich wieder fit!❤

Nachtrag: Leider konnten wir nur eins der beiden übrigen retten. Das kleine Kerlchen wird einen Platz auf Lebenszeit bei uns bekommen.

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