Einen Hühnerstall bauen – IV. Rassen und ihre Ansprüche

Blogeintrag vom 11.04.2021

Das einen Hühnerstall zu bauen mehr bedeutet, als einfach ein paar Bretter mit Dach zu verschrauben, haben wir nun schon festgestellt. Heute möchte ich auf die Ansprüche von verschiedenen Rassen eingehen. Gleich vorab: Das Folgende soll nicht heißen, dass man nur eine Rasse pro Stall halten soll, sondern Hinweise geben, auf alle gehaltenen Rassen einzugehen – denn da gibt es schon den ein oder anderen Unterschied bei den Bedürfnissen.

Hühner gibt es in allen Formen und Größen, Charakteren und Eigenschaften. Da sind zum Beispiel die Landhühner (z. B. Silverudds Blå), die viel Auslauf benötigen und sich ihr Futter eher selber suchen oder auch eher schwere, ruhige Rassen wie Amrocks, die – zumindest bei uns – im Entenmarsch von der Hühnerleiter über den Trampelpfad zu ihrer Sandbad-Stelle laufen und abends zurück. Hühner mit kurzen Flügelchen, wie die Seidenhühner, können nicht gut fliegen, federfüßige Tiere (beispielsweise Brahma) oder Tiere mit langem Schwanzgefieder (Onagadori oder Yokohama) könnten bei schlechtem Wetter Probleme bekommen. Du siehst also, dass es einiges zu überdenken gibt, wenn man einen Hühnerstall baut. 

Nun möchte ich auf die angesprochenen Rassen sowie deren Eigenschaften und mögliche Probleme eingehen: 

Silverudds Blå (SB)

Bei den SB handelt es sich um eine kleine bis mittelgroße schwedische Landhuhnrasse, die einen großen Bewegungsdrang hat. Silverudds Blå sind sehr gute Futtersucher und lieben es zu fliegen. Eine meiner Hennen stand einmal vor dem Gartenhaus, sah nach oben und flog aus dem Stand auf dessen Dach. Ab diesem Tag habe ich meinen Schweden die Federn gestutzt. So hoch und gerne wie Silverudds Blå fliegen, schlafen sie auch. Für SB ist es das Größte, einen Stall zu bewohnen in dem es richtig hohe Sitzstangen gibt. Im alten Stall saßen sie am liebsten auf der alten Gartenwerkzeughalterung, welche 1,70m über den Boden reichte. Ich denke bei den SB kann man sich nach dem Motto „Je höher, desto besser“ richten. ☺

Was das Futter angeht braucht man sich keinen großen Kopf machen. Meine SB haben einen 10kg Futterautomat im Stall stehen, der gefühlt Monate hält. Durch den großen Auslauf, können sie sich den ganzen Tag ihr Futter suchen und sind dann abends relativ satt. Ich beobachte auch immer wieder, dass die Silverudds Blå weniger trinken als die schweren Rassen meines Vaters. Die SB sind auch bei schlechtem Wetter unterwegs und benötigten – abgesehen von Stallpflicht – nicht viel Schnickschnack im Stall, sondern freuen sich viel eher über einen gut strukturierten abwechslungsreichen Auslauf.

Amrocks

Bei Amrocks handelt es sich um eine Zwienutzungsrasse, welche eine gute Legeleistung und Fleischqualität auszeichnet. Schlachtkörper zwischen 2-4 kg sind die Regel. Unser Amrockhahn brachte bei einem Lebendgewicht von 5,5 kg einen Schlachtkörper von 3,8 kg hervor. Die Amrocks die ich kenne sind weitestgehend faule, ruhige Tiere die nicht gern fliegen (bei der Gewichtsklasse auch kein Wunder).  Sie sind schlechte Futtersucher und futtern daher viel im Stall. Bei den Amrocks würde ich von sehr großen Futterautomaten absehen und lieber jeden Tag etwas füttern um sie „zach“ zu halten. Da die Amrocks zur Verfettung neigen, kann es in diesem Fall auch passieren, dass sie das Legen vollends einstellen. Da spreche ich aus Erfahrung.

Amrocks sitzen wie die meisten Hühner gerne auf der Stange, die sollte dem Gewicht entsprechend massiv und mit genügend Abstand zur Wand befestigt werden. Damals als Vater von Araucana auf Amrocks umstellte, bog sich die Hühnerstange unter der Last der schweren Hühner derart, dass wir dachten sie bricht gleich durch. Daraufhin haben wir schnell Buchenäste mit 8cm Durchmesser angebracht und auch die Hühnerleiter verstärkt. Auch die Legenester der Amrocks sollte an ihre Größe angepasst werden. An Schlechtwetter-Tagen lümmeln Amrocks gerne im Stall und freuen sich dort über ein Sandbad und etwas Abwechslung. 

Seidenhühner 

Schaut man sich die Seidenhühner mit ihrem Seidengefieder so an, könnte man denken das sie sehr anfällig für Kälte, Nässe und ähnliches sind. Doch alles andere ist der Fall. Seidis sind, wie alle anderen Hühner auch, sehr gut durch ihr Gefieder isoliert und kommen mit straffen Minusgraden (hier teilweise -25°C) sehr gut zurecht. Meine Henne Buffy z. B. liebt es draußen im Regen zu. Der Stall muss jedoch frei von Nässe und Zugluft sein – wie bei allen anderen Rassen auch. Ich stelle immer wieder fest, dass sich Seidis zu richtig guten Futtersuchern mausern und daher relativ wenig Futter und Wasser aus den Automaten entnehmen. Da sie aufgrund ihrer kurzen Flügel keine guten Flieger abgeben, benötigen die Seidenhühner auch keine hohen Stangen. Eigentlich brauchen die Flauschebälle gar keine Hühnerstangen! Am liebsten schlafen sie in einem Nest am Boden, welches gut durch Zweige verdeckt ist. Oder man baut einen kleinen Steg, über den die Seidenhühner höhergelegene Etagen des Stalls kommen. Meine Seidenhühner lebten lange mit den SB und Amrocks in einem Stall und lagen immer gerne in ihren Nestern auf den eigentlichen Hühnernestern über welchen die Sitzstangen der anderen befestigt waren. So etwas würde ich in Zukunft vermeiden, da doch hin und wieder ein Seidis von einem Häufchen der anderen getroffen wurde. Was bei den Seidis auch sehr wichtig ist: Kein Einstreu was stark verklumpt verwenden und am besten darauf achten das der Außenbereich nicht schlammig ist, da federfüßige Hühner den ganzen Schlamm aufnehmen und im Stall herumtragen. Außerdem kann es schnell zu Verschmutzung kommen, welche dann wieder Milden usw. fördert.

Onagadori, Yokohama

Das sind beides wunderschöne Rassen mit sehr langem Schwanzgefieder, mit welchem bei Mistwetter genau das passieren kann, was ich schon bei den Federfüßen bemerkt habe. Hat man keinen schlammfreien, trockenen Auslauf, sind Odagadori und Yokohama für mich eher die besten Beispiele für Volierenhaltung – zumindest an Schlechtwetter-Tagen.

Zusammengefasst solltest du bei deinen Hühnern und deren Ansprüchen also folgendes im Blick haben:

  • Fliegen deine Hühner gerne? Dann schlafen sie meist auch lieber hoch oben im Stall.
  • Fliegen die Hühner nicht gerne, mögen sie lieber ein kuschliges Nest am Boden.
  • Neigen die Hühner zur Verfettung? Dann benutze keinen großen Futterspender um dir die Arbeit zu erleichtern.
  • Ein Sandbad im Stall ist bei schlechtem Wetter der Hit!
  • Die Stalleinrichtung sollte auf Größe und Gewicht der Tiere abgestimmt werden.
  • Haben die Tiere besondere Merkmale? Züchtest du auf Ausstellung? Dann ist ein verschmutztes Gefieder nicht so praktisch, daher achte auf eine trockene Umgebung.

UND AM ALLERWICHTIGSTEN:

Habe immer eine Stallpflicht im Hinterkopf, nur, weil sich eine große Rasse nicht so viel bewegt wie eine Kleine, heißt das nicht das sie in einem beengten Stall leben möchte!

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