Kükenaufzucht

Blogeintrag vom 07.04.2022

Die Aufzucht von Küken ist wohl für jeden Hühnerhalter die schönste Zeit des Jahres. Ganz besonders ist es, eine Glucke zu haben und die kleine Familie im Garten beobachten zu können.

Hedda mit ihren Küken

Jedoch ist die Kükenaufzucht bei Naturbrut sowie Kunstbrut sicher auch ein Feld, welches viele Fragen und Diskussionen bereithält.

Soll ich meine Glucke während der Brut separieren? Wann können die Glucke und die Küken zu den anderen Hühnern? Ab wann können die Küken nach draußen? Welches Futter bekommen Küken?  – um nur einige Fragen zu nennen die an mich herangetragen werden.

Nachfolgend möchte ich gerne über meine Vorgehensweise bei Kunstbrut und Naturbrut informieren. Gleich zu Beginn noch eine wichtige Anmerkung: Bei mir läuft vieles sehr intuitiv und ich kann nur so vorgehen, weil die Gegebenheiten und die Eigenschaften meiner Hühner es zulassen. Einiges funktioniert bei anderen Hühnerhaltern sicher nicht so gut. Auch darauf möchte ich gerne anhand eines selbsterlebten Beispiels eingehen.

Doch heute soll es erst einmal um die Grundlagen gehen.

Küken, egal ob in Kunst- oder Naturbrut geschlüpft brauchen spezielle Kükenfutter. Für eine gute Entwicklung füttere ich ihnen in den ersten zwei Wochen vor allem zerkleinertes Ei mit Brennnesseln, geriebener Möhre und Haferflocken. Beim Ei handelt es sich um körper-identisches Eiweiß. In einem Ei sind alle Stoffe vorhanden, die den Küken besonders gut bekommen, die Verdauung unterstützen und die zu einer gesunden Entwicklung der Küken beitragen. 

Außerdem reiche ich den Küken schon so ziemlich alles, was die anderen Hühner auch futtern. Gurke, Salat, Soldatenfliegenlarven, … Werden die Küken von einer Glucke geführt, lernen sie was gefressen werden kann und da zählt das, was die Adulttiere erhalten mit dazu, wieso also nicht auch den Kunstbrutküken anbieten? Diese werden alles zwar zögerlich betrachten, dann aber feststellen, dass eine Gurke ein ganz leckeres Gemüse ist.

Im Handel gibt es spezielles Kükenfutter, welches wie bei den adulten Hühnern auch, in mehliger Form oder als Pellets angeboten werden. Ich füttere meinen Küken Pellets, da diese alles enthalten was ein Küken für eine gesunde Entwicklung benötigt. Das Kükenkorn gebe ich den Küken bis zur 8. Lebenswoche. Danach stelle ich auf Junghennenfutter bzw. Mastfutter für die Hähne um. Das Junghennenfutter füttere ich bis zur 20. Woche, ab da sind die Hennen gut entwickelt und werden bald mit dem Legen beginnen oder haben dies bereits getan. Nun können die Jungtiere das Futter der Adulten bekommen.

Außerdem braucht man bei der Kunstbrut eine Wärmeplatte, Rotlichtlampe oder einen Dunkelstrahler. Der Dunkelstrahler ist der Rotlichtlampe vorzuziehen, da er besser für die Augen ist. Ich benutzte Heizplatten in verschiedenen Größen, welche ich mit passenden Plastikabdeckungen vor dem Vollkoten schütze. 

Weiterhin benötigt man für die Küken geeignete Tränken und Futterbehälter. Hier gibt es eine große Auswahl im Handel. Zu diesem Thema mache ich mal einen eigenen Beitrag.

Wann können die Küken das erste Mal an die frische Luft?

Je nach Wetterlage können die Küken schon am ersten Tag nach Schlupf nach draußen. Eine Glucke wird sie gibt führen und aufpassen, dass all ihre Kinder genug Wärme erhalten. Hierzu macht sie öfters Pausen in denen sich die Küken unter sie kuscheln und sich ausruhen können.

Meine Kunstbrutküken kommen bei schönem, sonnigen Wetter, ab 12°C, etwa ab dem dritten Lebenstag zeitweise raus in den Garten. Wie lange die Küken nach draußen können passe ich dem Alter an, ab etwa der zweiten Lebenswoche können sie schon für einige Stunden nach draußen. Im Garten gibt es einen kleinen Auslauf in der Sonne. Die Küken können sich so an das Wetter gewöhnen und härten ab. Sobald die Küken voll befiedert sind, kommen sie in eine Voliere im Garten hier bleiben die Küken etwa bis zur 16. Woche.

In den folgenden Exkursen möchte ich gerne aufzeigen, ob ich meine Glucke separiere und wann ich die Küken und die adulten Hühner vergesellschafte. Dies teile ich in die Themen Naturbrut und Kunstbrut.

Naturbrut

Als Naturbrut versteht man das ausbrüten und die Aufzucht der Küken durch die Glucke, also eine Henne mit Mutterinstinkten die brüten möchte. Eine Glucke zu haben ist eine ganz wunderbare Sache. Die Küken werden zwar nicht so zahm wie bei der Kunstbrut, aber zu sehen wie die kleinen Federpuschel mit ihrer Mama die Welt erkunden und vieles lernen ist ein ganz wundervolles Erlebnis. 

Einige Hühnerhalter separieren ihre Glucke von der Gruppe, dies hat auch mein Vater so gehandhabt bzw. handhabt das immer noch so. Jedoch sehe ich hierbei einen großen Nachteil: da die gluckende Henne für einige Wochen von ihrer Gruppe getrennt ist, passiert es, dass sie nicht mehr integriert ist. Hat man die Glucke abgetrennt, sollte man auf die Vorgehensweise wie bei neugekauften Hühnern zurückgreifen und die Glucke am Abend zurück zur Truppe setzen. Ebenso die Küken. Dies geht jedoch nicht immer glimpflich aus. Ich beobachtete schon öfters, dass die Henne und auch die Küken einige Tage Stress erleiden, bis sie wieder in die Gruppe aufgenommen werden. Das muss so nicht sein und geht auch anders, wie, das erläutere ich nachfolgend. Doch zuerst möchte ich die Frage beantworten, wieso Glucken von der Gruppe abgetrennt werden. Dies geschieht vor allem deshalb, um der Glucke viel Ruhe zu ermöglichen. Wird die Glucke zu oft gestört, kann es passieren, dass sie das Brüten aufgibt und sich wieder zu den anderen Hühnern gesellt. 

Ich gehe diese Thematik etwas anders an. Die Glucke bekommt im Hühnerstall ein eigenes Abteil in dem sie nicht nur in Ruhe brüten kann, sondern auch weiterhin in Kontakt mit ihren Artgenossen pflegt. Die Küken schlüpfen nach 21 Tagen direkt im Hühnerstall. Das dies funktioniert, bedarf es einer Glucke die ihre Nachzucht konsequent verteidigt, sowie gut sozialisierte Hennen und Hähne bei denen sicher ist, dass sie den Küken nichts tun. Ausprobieren und Beobachten ist hier die Devise. Wichtig ist die Verhaltensweise seiner Hühner richtig zu deuten. Eine Henne die auf ein Küken zugeht, es beobachtet und dann kurz zu pickt ist nicht gleich aggressiv. Sie ist neugierig und muss erst einmal schauen was das ist. Eine gute Glucke wird ihr Küken in diesem Fall natürlich beschützen und die andere Henne verjagen. Überhaupt verjagt eine gute Glucke so ziemlich alles und jeden, der sich ihren Küken nähert. Meine Hunde erlebten dies schon oft am eigenen Leib und ich bin sehr dankbar das sie dabei so ruhig blieben und die Glucke nicht auf ihren Speiseplan setzten. Obacht ist geboten, wenn sich Hühner aggressiv auf die Küken stürzen und auch mehrfach zu picken. Hier würde ich die Glucke samt Küken sofort separieren und eine Vergesellschaftung der Küken im Alter von 6-10 Wochen versuchen, wenn die Zwerge etwas mehr aushalten und sich selbst verteidigen können. 

Für mich ist die Naturbrut die optimale und natürlichste Aufzuchtsform. Meine Glucken sind keinem Stress ausgesetzt, weil sie in ihrer Umgebung und bei ihren Artgenossen bleiben können und die Küken werden vom ersten Tag an in die Gruppe integriert. Da bei Leistungshühner, wie zum Beispiel den Silverudds Blå der Bruttrieb fast vollständig wegezüchtet wurde ist es hier eher Glückssache eine gute Glucke zu bekommen. Eigentlich sind Glucken erst gar nicht gewünscht und solche Tiere sollten, wenn möglich, aus der Zucht genommen werden. 

Kunstbrut

Während bei der Naturbrut die Glucke für eine Bewegung der Eier, der perfekten Temperatur und Feuchtigkeit sowie Luftzufuhr sogt, übernimmt die ein Brüter bei der Kunstbrut. Zur Brüterauswahl habe ich einen Beitrag in meinem Blog gemacht. Hier kommst du zu dem Beitrag.

 

Nach 21 Tagen schlüpfen dann, genau wie bei der Naturbrut, die kleinen Flauschbälle. In den ersten zwei Wochen beziehen sie ein Kükenheim im Haus. Der Raum im Haus hat etwa 19°C, das ist kälter als unter der Wärmeplatte, aber wärmer als in unserem Stallgebäude. In der ersten Woche laufen die Küken auf Papiertüchern, ab der zweiten Woche bekommen sie Hanfeinstreu, denn spätestens da sind sie dann so aktiv, dass sie gerne scharren wollen. 

Wenn das Wetter passt dürfen die Küken in diesem Alter schon raus in den Garten und lernen dort meine anderen Hühner kennen. Ich bin sehr dankbar, dass meine Hühner allesamt sehr gut sozialisiert sind. Sie greifen die Küken nicht an, sondern zeigen Ihnen wo es Futter gibt und beschützen sie. Vergesellschaftung kann sehr einfach sein, wenn man die richtigen Tiere auf dem Hof hat. Mit zwei Wochen ziehen die fast befiederten Küken in den Kükenstall im Stallgebäude. Im Alter von 6 Wochen ziehen die Küken in eine Voliere im Garten – ohne Wärmeplatte. Zu diesem Zeitpunkt sind sie vollbefiedert und gut isoliert. Sollte es doch einmal kälter werden, kuscheln sich die Küken einfach zusammen – so, wie es die Großen auch machen. Den Jungtieren gewähre ich weiterhin viel Auslauf im Garten und sorge dafür, dass sie viel Zeit bei den ausgewachsenen Hühnern verbringen. 

Leider läuft es nicht immer so sozialisiert ab. Wir hatten viele Jahre Araucana und kamen nie Drumherum die Glucke zu separieren oder die Kunstbrutküken erst mit 8 Wochen zur Gruppe hinzuzufügen, da wir immer Hähne hatten die die Küken totgehackt hätten. Ich denke es kommt sehr auf die Rassen an die man hält, verpauschalisieren das Araucana aggressiv und Silverudds Blå sozial sind möchte ich aber nicht. Jedes Tier ist anders. Beobachten der eigenen Hühner ist sehr wichtig und dann ausprobieren. Und wenn es nicht geht, dann ist das eben so. Auch das ist kein Weltuntergang.

Kunstbrut Küken bei den Großen

Ich wünsche nun ganz viel Erfolg bei der Kükenaufzucht und stehe bei Fragen gerne zur Verfügung.

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