Leopold der Charmeur

Blogeintrag vom 11.08.2022

Leopold ist ein großes Deutsches Lachshuhn. Nun ja, groß ist relativ, aber mit seinen gerade mal 12 Wochen kann er ja noch kein Riese sein. So groß wie er ist so groß ist auch sein Herz. Er ist ein richtiger Chameur. Jeden Tag wenn ich den Garten betrete heilt Leopold herbei und dann steht er da. Das Köpfchen etwas schief, schaut mich das Leopoldchen mit seinen hübschen Äuglein an. Ehrlich gesagt sind es nicht seine Äuglein die mich schwach werden lassen, sondern sein entzückendes Bärtchen, welches links und rechts von seinem Schnabel steht.

Glaube mir, nichts ist so zauberhaft wie ein Lachshuhn mit seinem Bärtchen!

Vor einiger Zeit tat Leopold etwas, was nun zum Alttag geworden ist, mich an jenem Tag aber mit viel Liebe erfüllte.

„Na, du alles fit?“ rede ich ihm zum. „bak bak“ antwortet er mir und ich vermute es geht ihm gut. Vor dem Zaun, der ausschaut wie wenn er demnächst das Grebeberle macht, steht meine grüne Gießkanne. Ich laufe rüber zum Wasserbottich um sie zufüllen und die Pflanzen im Gewächshaus zu gießen. Treu folgt mir mein selbsternannter Bodyguard. Hast Du schon einmal ein Lachshuhn laufen sehen? Durch die Federfüße schaut das immer ein bisschen nach Gewatschel aus. Sehr witzig zu beobachten!

So lief ich meine Runden vom Wasserbottich zum Gewächshaus und wieder zurück. Leopold versuchte mir zu folgen. Ich betone „versuchte“, denn durch das hohe Gras kam er nicht so schnell nach wie ich es von meinen anderen Rassen kenne. „Woaahh“ schrieh ich, als mir das Leopoldchen vor die Füße huschte und sich ein großer Schwall des Gießwassers auf seinem Kopf ergoß. Ich wusste in diesem Moment nicht, ob ich lachen oder den tropfenassen Junghahn bedauern sollte. Sicher muss ich dir nicht sagen, dass ich mich für Variante 1 entschieden habe. Zu schön war der Anblick des begossenen Pudels, äh, Hahn.

Doch wie er da so stand und vor sich hin gackerte, während ihm das Wasser vom Köpfchen tropfte, bedauerte ich den armen Leopold schon ein bisschen. Noch schöner wurde der Anblick, als wir zurück zu den anderen Hühnern gingen und diese den nassen Lachshahn begutachteten. „Wie schaut der denn aus?“ Lachshuhndame Wilhelmine und Vara, eine Silverudds Blå Henne sahen sich an. Ich schmunzelte und nahm auf meinem Plätzchen am Balkengerüst Platz. Leopold schüttelte sich das restliche Wasser aus den Federn sah mich wieder mit seinem schiefen Bartblick an und ging zaghaft in meine Richtung. Direkt vor mir blieb er stehen, als überlegte er, ob er das was er vorhatte lieber bleiben lassen solle. Leopold ging einen weiteren Schritt auf mich zu. Schwupp nahm ich ihn in die Arme um ihn zu streicheln. Er schien es sichtlich zu genießen und legte sein Köpfchen zaghaft an meinen Hals. So saßen wir einige Zeit da und beobachteten die anderen Hühner. Bis Alva, eine wunderschöne Blaugraue Vogtländerin, die leider ein verletztes Auge hat, vor mir stand und ebenfalls meine Aufmerksamkeit und Streicheleinheiten forderte. So setzte ich Leopold wieder auf den Erdboden und ließ Alva auf meinen Schoß springen. Doch Leopold verließ seinen Platz nicht, sondern stand etwas verloren zwischen den Balken und sah mich und Alva neidisch an. Flink huschte Leopold vor den Balken auf dem ich saß, sprang nach oben und platzierte sich neben mich. Immer weiter rückte der junge Hahn an mich heran und ließ sich streicheln. Irgendwann fielen ihm die Äuglein zu und er schlief an mich gekuschelt ein. Mein kleines Herzchen war tief gerührt.

So ganz romantisch ist diese Situation jedoch nicht, leider werden die besonders zutraulichen Junghähne oft richtig böse Gesellen wenn sie ausgewachsen sind. Ich hoffe sehr, dass mein Leopoldchen nicht zu ihnen gehört.

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